CDU und SPD in Thüringen haben in ihrer ersten Sondierungsrunde für die
Bildung einer Landesregierung weitere Gespräche vereinbart. Es seien
drei neue Runden verabredet worden sagte die CDU-Verhandlungsführerin
Birgit Diezel. SPD-Landeschef Christoph Matschie erklärte: „Wir gehen
jetzt inhaltlich in die die Debatte."
Knapp eine Woche nach der Landtagswahl ist die Koalitionsfrage in
Thüringen weiter völlig offen. Am Samstag wurden die
Sondierungsgespräche über die künftige Regierung mit dem Treffen von
SPD und CDU fortgesetzt. Während sich die SPD weiterhin sowohl eine
Koalition mit der CDU als auch ein Bündnis mit Linken und Grünen offen
hält, schlug die CDU nach dem Treffen selbstkritische Töne an. Die
Verhandlungsführer beider Parteien lobten die offene
Gesprächsatmosphäre und vereinbarten drei weitere Sondierungsrunden.
„Auch für die CDU gibt es kein 'Weiter so'“, sagte die amtierende
Ministerpräsidentin und Verhandlungsführerin der CDU, Birgit Diezel.
Ihre Partei setze auf eine Weiterentwicklung gemeinsam mit der SPD.
Der bisherige Regierungschef Dieter Althaus (CDU) war am Donnerstag
zurückgetreten, offenbar um den Weg für eine schwarz-rote Koalition
freizumachen. So hatte etwa Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betont, nach
dem Rückzug Althaus' sei nun der Weg frei, dass die SPD in „ernsthafte
Gespräche“ über eine Regierungsbildung mit der CDU eintrete. Die
langjährige Regierungspartei CDU hatte bei der Landtagswahl knapp zwölf
Prozentpunkte und die absolute Mehrheit eingebüßt.
Das Gespräch mit den Sozialdemokraten, bei dem auch „vieles aus dem
Wahlkampf“ besprochen worden sei, habe in einer offenen und
freundschaftlichen Atmosphäre stattgefunden, sagte Diezel. Nach dem
Treffen sei sie zuversichtlich. Es habe sich bestätigt, dass es mit der
SPD inhaltlich „viele Gemeinsamkeiten“ gebe. Diezel betonte, das Land
brauche „eine stabile und handlungsfähige Regierung“.
Auch SPD-Landeschef Christoph Matschie lobte das Gesprächsklima. Bei
den kommenden Sondierungsrunden würden CDU und SPD „ausloten, wie viele
Gemeinsamkeiten es gibt“. Wichtig sei, dass es am Ende eine „tragfähige
inhaltliche Lösung“ gebe. Der Zeitrahmen sei dabei zweitrangig.
Neben einer CDU-SPD-Koalition hätte auch ein rot-rotes
Regierungsbündnis eine Mehrheit im Landtag. SPD und Linke wollen zudem
die Möglichkeit einer Dreier-Koalition mit den Grünen ausloten. Linke
und SPD kommen zusammen auf 45 der 88 Sitze im neuen Landtag und hätten
damit nur eine hauchdünne Mehrheit. Eine rot-rot-grüne Koalition käme
auf 51 Sitze. Nach ihrem ersten Treffen am Freitag luden SPD und Linke
die Grünen zu den nächsten Sondierungsrunden ein.
Die SPD setzt in der kommenden Woche ihre Gespräche mit den drei
Parteien fort. Am Schluss werde die SPD dann entscheiden, „mit welchem
Partner wir in Koalitionsgespräche gehen“, sagte Matschie.
Forderungen nach einer stärkeren Einbindung der SPD-Basis in die
Koalitionsbildung erteilte er eine Absage. Entsprechende Stimmen aus
den Kreisverbänden der Thüringer SPD seien „ein Sturm im Wasserglas“,
sagte Matschie. Für die Verhandlungen sei ein klarer Fahrplan
festgelegt worden. Erst würden Sondierungsgespräche geführt, dann
treffe der Landesvorstand eine Entscheidung, und am Ende werde ein
Parteitag abgehalten.
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